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Manfred, Jg. 1950

Bild ManfredFUSS“- NOTEN
(ERFAHRUNGEN, BEGEGNUNGEN UND EINSICHTEN EINES BARFÜSSERS)

Ist ihnen das nicht zu kalt?“
„Warum machen sie das?“
Das sind wohl die am häufigsten gestellten Fragen die einem Barfußläufer – vor allem außerhalb der warmen Jahreszeit – gestellt werden.
Kindern braucht man das „warum?“ nicht weiter erklären! Das läuft dann meistens so ab:
„Duuhu ! Hast du keine Schuhe ???“
„Doch, ich habe mehr als genug !“
„Und warum bist du dann barfuss ?“
„Weil es mir einfach Spaß macht und sich gut anfühlt.“
Das ist in den allermeisten Fällen Erklärung genug, weil für ein Kind schlüssig. Vielleicht auch, weil sie dieses „sinnliche“ Erleben selbst schon oft gespürt haben und ihnen das Gefühl dafür noch nicht verloren gegangen ist bzw. noch nicht als „zu schmutzig“ ausgetrieben, verleidet worden ist. („Das macht man doch nicht!“)

Bei den Erwachsenen ist es viel schwerer, weil sie bereits so in Normen verankert sind dass solch eine simple Erklärung für sie nicht mehr vorstellbar ist. Es wird mindestens eine Philosophie, eine Ideologie oder wenigstens eine gesundheitliche Begründung dahinter erwartet. („Ich habe ein Gelübde abgelegt !“ wäre sicher auch eine sofort akzeptierte Erklärung!)

Zwar bin ich schon seit meinem 13. Lebensjahr sehr viel barfuss gegangen - auch in die Schule, aber später im Alltag und als Erwachsener habe ich mich dann doch oft damit eingeschränkt. Ich lief dort, wo ich keine Gefahr lief Bekannten zu begegnen. Ich war unsicher, und jeder Blick wurde als abwertend und auf die eigene Person bezogen gedeutet, jedes Kichern galt natürlich (!) den eigenen bloßen Füssen. (Wie sollte es auch anders sein, wenn ich selbst davon nicht überzeugt war dass es völlig normal ist...)

Hin und wieder wird auch eine gewisse Provokationsabsicht hinter meinem Barfußlaufen vermutet. Eine Provokation hat aber zum Ziel, zu einer negativen Reaktion zu animieren, oder zumindest, Aufmerksamkeit zu erregen. Es geht dabei nicht (oder nur am Rande) um die Sache selbst.

Ich laufe aber ausschließlich für mich selbst barfuss. Dass sich dabei Mitmenschen möglicherweise provoziert fühlen könnten ist eine von mir nicht beabsichtigte, aber hingenommene Folge, denn ich schade niemandem damit.

Anfang Mai 2006 beschloss ich dann, dass etwas, was mir gut tut andere nicht in ihrer Freiheit beeinträchtigt infolgedessen auch ganz alleine meine Sache ist. Was für mich bedeutete, dass mir mögliche negative Reaktionen künftig gleichgültig sein werden.

Mit dieser Einstellung, die ich mir dann auch wirklich schnell verinnerlicht habe (was ganz entscheidend war!), bin ich fortan anders „aufgetreten“. (Am Anfang kostete es Überwindung. „So etwas macht man doch nicht“ und „Was sollen die Leute denken“ ist halt noch in den grauen Zellen verankert.)

Wenn man das Barfusslaufen mit der oben erwähnten entsprechenden inneren Einstellung betreibt passiert plötzlich etwas. Es wurde für mich immer selbstverständlicher, so selbstverständlich, dass es mir seit einiger Zeit gar nicht mehr bewusst ist, dass ich barfuss aus dem Haus gehe. (Inzwischen kommt mir die Frage nach dem „warum keine Schuhe?“ schon seltsam vor, ist es nicht vielmehr komisch, dass Schuhe der „Standard“ sind, ob sinnvoll oder nicht? Seitens der Natur ist der Mensch jedenfalls nicht für Schuhe angelegt.)

Sowohl innerlich wie äußerlich veränderte sich einiges: Mein Gang wurde aufrechter, selbstbewusster. Und: Es kamen keine negativen Reaktionen. Die häufigste Reaktion war „gar keine Reaktion“, das heißt, es wird gar nicht bemerkt oder einfach als „nichts Außergewöhnliches“ wahrgenommen.

Ja, also warum mache ich das nun eigentlich ?
Hier also doch so etwas wie der Versuch einer Erklärung (wie schon weiter oben gesagt: Den ultimativen, einzig wahren Grund gibt es nicht!)
Zunächst ist es das Gefühl „geerdet zu sein“. Einen wunderschönen Satz dazu habe ich im Internet gefunden:
„Barfußlaufen ist eine hochgradig ansteckende Sucht nach sinnlicher Verbindung mit unserem Planeten. Wenn Du erst damit angefangen hast kommst du nicht mehr davon los.“

Natürlich ist es auch gesund.
Und zwar nicht nur für die Füße, sondern für den ganzen Körper. Man geht bewusster, mit dem ganzen Körper, die Bewegungsabläufe sind fließender. Meine Knie- und Rückenprobleme sind nahezu verschwunden.

Erkältungen sind kein Thema mehr. Allerdings ist es wichtig, dass der übrige Körper nicht auskühlt. So kann ich auch für einige Zeit im Schnee laufen (Pulverschnee ist ein sehr sinnliches Erlebnis. Meine Füße sind danach jedenfalls gut durchblutet und fühlen sich warm, fast heiß an.)

Eine permanente Fußreflexzonenmassage gibt es obendrein dazu.

Und wenn ich „zu mir stehe“ indem ich nämlich meine Bedürfnisse wahrnehme und sie auch entgegen (sinnloser) Konventionen verwirkliche, dann findet diese innere Haltung auch äußerlich Ausdruck, nämlich in einem aufrechteren Gang!

Und diese nachdenklich-kritische Sichtweise dehnt sich auf das ganze Er-Leben aus, Manche Dinge, von denen man bislang einfach hingenommen hatte, dass man sie eben „nicht macht/so macht“ werden nun hinterfragt und auf den Prüfstand gestellt.

(z. B.: Wieso ist es ungeschriebenes Gesetz dass ein Mensch dem ich mein Vermögen anvertraue einen „Stofflappen“ – sprich Krawatte – um den Hals zu tragen hat?)

Mir selbst hat diese neue Sicht jedenfalls eine Menge Erkenntnisse und innere Freiheit gebracht. Meine Handeln ist jetzt nur noch von der Überlegung bestimmt, ob ich die Freiheit eines anderen möglicherweise tangiere. Wenn das nicht der Fall ist, sehe ich keinen Grund mehr etwas zu unterlassen.

Wie weit unser Leben schon früh von irrationalen Zwängen bestimmt ist kann man zum Beispiel deutlich an unseren Schulen sehen. Sich selbst „barfuss“ als sinnlich-genussvolles Erleben zuzugestehen ist in dieser Generation schon deshalb völlig undenkbar weil der Gruppendruck, sich mit „NIKE“, „REBOOK“ oder anderen teuren „In“-Marken zu profilieren viel zu stark ist.

Wie schön wäre es, könnte man dieser Jugend deutlich machen, dass die wahre „Coolness“ in der Freiheit liegt nach eigenen Bedürfnissen zu entscheiden und zu handeln, sich nicht unkritisch beeinflussen zu lassen und damit in der eigenen Handlungsfähigkeit unbemerkt einschränken zu lassen !

Es gibt ein Forum zum Thema Barfußlaufen. Eigentlich gibt es mehrere - für alle Facetten des barfüssigen Daseins. Aber für diejenigen, die das im Alltag integrieren - und das sind weitaus mehr Menschen beiderlei Geschlechts als ich zunächst dachte – ist sicher das Interessanteste das Hobby? Barfuß! - Forum von Forum www.hobby-barfuss.de.
Man tauscht sich aus, macht sich gegenseitig Mut und berichtet über eigene Barfuss-Erlebnisse.

Im Verlauf vieler Gespräche wurde mir vor allem eines sehr deutlich:
Bei vielen Menschen ist der Wunsch mehr barfuss zu gehen, wenn auch zunächst nur in der warmen Jahreszeit, ganz stark. Die „Zensur“ im Kopf verhindert das aber. Es gäbe also viel Anlass, dies wieder zum „Normalfall“ werden zu lassen !
Bei ganz vielen, vor allem älteren Menschen, löst mein Anblick starke Erinnerungen an ihre Kindheit aus, in der das Barfußgehen noch so selbstverständlich war, und die viele Menschen mit der unbeschwertesten Zeit in ihrem Leben verbinden. (Ich habe ähnliche Reaktionen erlebt, als ich mit meinen 52 Jahren auf einer Wiese einen Drachen steigen ließ.) Meine erstaunte Frage, warum man denn seiner Sehnsucht nach dem „inneren Kind“ nicht einfach nachgebe, hinterließ oft sehr nachdenkliche Gesichter.



Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 29. May 2007 )